Vom Hafen Rovinj aus geht's 20 Minuten an der Küste entlang nach Süden, und schon verschwindet die Stadt in einem Tunnel aus Pinien. Du bist bei Punta Corrente angekommen — auch Zlatni rt genannt, das Goldene Kap — ein 52 Hektar großer Waldpark, der sich zwischen den Buchten Lone und Škaraba bis zu den Kaps Montauro und Punta Corrente erstreckt. Rund 5 km Küste, 12,5 Hektar Strand und 800 Meter alte Trockenmauer auf der Landseite. Näher an einem richtigen Tag in der Natur kommst du in Rovinj nicht ran — und es kostet nichts.
Wie du hinkommst
Von der Altstadt aus gehst du südlich an der Uferpromenade entlang, am Yachthafen und am Hotel Lone vorbei. Der Park beginnt gleich hinter der Lone-Bucht und zieht sich etwa 2 km die Küste hinunter. Vom Trg Maršala Tita sind es ungefähr 20 Minuten zu Fuß, der Weg ist die ganze Zeit flach.
Wer mit dem Auto kommt, parkt an den Plätzen bei Škaraba oder Lone-Bucht am Nordrand des Parks — im Juli und August sind die bis Mitte Vormittag voll. Die ganze Karte findest du in unserem Guide zum Thema Fortbewegung in Rovinj.
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Den Park, wie du ihn heute siehst, hat ein einziger Mann angelegt. 1890 kaufte ein in Triest geborener Industrieller deutscher Abstammung namens Georg Hütterott (1852–1910) — später Vorstandsmitglied der Triester Werft Stabilimento Tecnico — vier kleine Inseln vor der Küste und in den Jahren darauf das Stück Land, aus dem der heutige Park wurde. Nach und nach machte er daraus eine Mischung aus englischem Landschaftsgarten und Arboretum und brachte exotische Arten von seinen Reisen mit: Himalaya-Zedern, Douglasien, Zypressen, Ginkgo biloba und seltene Bäume aus Mexiko, Amerika und Japan, die Seeleute für ihn mitbrachten. Die Reihe Himalaya-Zedern (Cedrus deodara), als sechszackiger Stern angeordnet bei der Wiese von Punta Corrente, steht bis heute.
Hütterott hatte größere Pläne. 1908 gab er im Eigenverlag eine Broschüre heraus mit dem Titel „Klimatischer Kurort Cap Aureo bei Rovigno – Istrien", in der er Hotels, Villen und Badeanstalten entlang Lone, Škaraba und den Kaps skizzierte. Das Timing schien perfekt: die Bahnstrecke Wien–Pula hatte Südistrien 1876 erreicht, samt Abzweig nach Rovinj, und ein maritimer Kurort war 1888 nördlich der Stadt eröffnet worden. Doch er starb 1910 viel zu früh, bevor auch nur eines davon gebaut wurde.
Zwei Weltkriege und jede Menge politisches Durcheinander später war nur noch der Park selbst übrig. 1948 wurde er zur geschützten Naturrarität erklärt („weil er Schönheit darstellt und eine Zierde dieser Region ist"), und 1961 bekam er den Status eines Waldparks. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine kleine Wächterhütte und die alten Stallungen — heute ein Café — sind die einzigen gebauten Überreste aus Hütterotts Zeit, die noch auf der Halbinsel stehen.
Die besten Badeplätze
Die Küste hier besteht aus flachen Kalksteinplatten und kleinen Felsbuchten, kein Sand. Ins Wasser geht's über Leitern oder du kletterst die Felsen runter. Das Wasser ist so klar, dass du deine Füße auf 3 Metern Tiefe siehst.
- Lone-Bucht — der erste Badeplatz, wenn du aus der Stadt kommst. Kieselig, wegen Hotel Lone etwas belebter, gut für einen schnellen Sprung ins Wasser.
- Škaraba — gleich hinter Lone. Steinplatten, sofort tiefes Wasser, Pinienschatten oben drüber. Der Liebling der Einheimischen für eine Runde am Morgen.
- Kap Montauro („Cap Aureo") — das mittlere Stück. Dutzende kleiner Buchten; lauf einfach, bis du eine leere findest. Genau hier wären wir an einem heißen Augustsonntag.
- Punta Corrente — die Südspitze, hinter dem sechszackigen Zedernstern. Ruhiger als Montauro, besser für den Sonnenuntergang.
An der Küste gibt es ein paar Strandbars, wo du was zu trinken bekommst, und am Parkeingang ein Café. Wasser und einen Snack nimmst du trotzdem besser selbst mit.
Laufen, Radeln oder beides
Der Hauptweg an der Küste ist breit, flach und schattig — perfekt für eine gemütliche Radtour. Den ganzen Park hast du in unter einer Stunde umrundet. Innere Pfade zweigen in die Pinien ab, falls du Schatten oder Ruhe suchst; manche führen zu kleinen Wiesen, wo Familien picknicken.
Die Fahrradverleihe an der Obala Palih Boraca beim Hafen vermieten Trekkingräder und E-Bikes stundenweise oder für den ganzen Tag. Vom Südende des Parks kannst du an der Küste weiter bis Cuvi und Villas Rubin fahren oder dich bis zum Limfjord durchkämpfen (etwa 15 km einfache Strecke).
Was es sonst noch gibt
Die Meerseite von Kap Montauro ist eine einzige lange Linie ausgehauener Klippe — hunderte Meter heller senkrechter Wände, jahrhundertelang abgebaut für den Bau Venedigs und der Städte auf der anderen Seite der Lagune. Heute sind sie bei Kletterern beliebt — du siehst Haken im Fels und manchmal eine Seilschaft. Auch ein überraschend stimmungsvoller Ort für Fotos.
Worauf du sonst noch achten solltest:
- Der sechszackige Stern aus Himalaya-Zedern auf der Wiese vor Punta Corrente — Hütterotts Handschrift.
- Picknicktische und Bänke, verteilt über die Wiesen (wer zuerst kommt, mahlt zuerst — keine Reservierung).
- Ein Outdoor-Fitnessplatz und ein Kinderspielplatz entlang des Parks.
- Tiere — Rehe, Hasen und Fasane leben im Wald; für sie wurden schon in den Anfangsjahren des Parks Tränken gebaut.
Was hier wächst
Zlatni rt ist halb natürlicher Wald, halb botanisches Experiment aus dem 19. Jahrhundert. Das Rückgrat ist heimisch: die Steineiche (Quercus ilex) — die immergrüne Eiche, die dem Park im August seinen kühlen, tiefen Schatten gibt — und die Blumenesche. Darunter wachsen die mediterranen Sträucher, die du an dieser Küste erwartest: Flaumeiche, Erdbeerbaum, Lorbeer, Myrte, Mastixstrauch, Buchsbaum.
Wenn du im Spätherbst hier bist — Oktober bis Dezember — halt Ausschau nach dem Erdbeerbaum — er trägt Früchte und Blüten gleichzeitig. Eine Kleinigkeit, aber es ist die eine Pflanze, die aufwacht, während der Rest des Waldes schläft.
Der angepflanzte Teil liest sich wie eine Karte von Hütterotts Reisen. Vier Kiefernarten säumen die Hauptwege — Aleppo-, Kalabrische, See- und Pinie — die letzte (Pinus pinea) gibt dem Park seine typischen Alleen mit schirmförmigen Kronen. Daneben wachsen die exotischen Zypressen (Cupressus sempervirens), Douglasien und der Ginkgo biloba, oft als lebendes Fossil bezeichnet. Der sechszackige Stern aus Himalaya-Zedern (Cedrus deodara) steht auf der Wiese vor der Spitze von Punta Corrente.
Rund 20.000 m² des Parks sind befestigte Promenade, weitere 5.000 m² sind weichere Waldwege — Schatten gibt's also reichlich, egal ob du radelst, joggst oder gemütlich spazierst.
Wann du am besten kommst
- Juni und September sind perfekt — Wasser ist warm, Wege sind ruhig, Licht lang.
- Juli–August ist voll — der Großteil der Badegäste läuft genau hier durch, über Punta Corrente weiter Richtung Cuvi, Villas Rubin, Polari und Vestar. Einheimische kommen um 7 Uhr morgens oder nach 18 Uhr.
- Nebensaison (Okt–Mai) ist der Park offen und wunderschön, pack nur einen Pulli ein. Wir fahren hier das ganze Jahr Rad.
- Sonnenaufgang und Sonnenuntergang treffen verschiedene Seiten der Halbinsel — Sonnenaufgang über Montauro, Sonnenuntergang von der Spitze von Punta Corrente.
Tipp von vor Ort
Lass die ersten beiden Buchten hinter der Lone-Bucht aus — da ist am meisten los, weil die Leute beim ersten Wasser, das sie sehen, stehen bleiben. Geh noch 10 Minuten weiter in die Pinien rein und der Trubel ist um etwa 80% dünner. Die besten Buchten haben keine Schilder.
Praktische Hinweise
- Eintritt: Gratis, rund um die Uhr, das ganze Jahr über geöffnet.
- Nach Sonnenuntergang: Im Park gibt es keine Beleuchtung — sobald die Sonne weg ist, werden die Waldwege schnell stockdunkel. Nimm eine Stirnlampe oder Handytaschenlampe mit und merk dir den Weg, auf dem du gekommen bist. Die Leute bleiben oft auf den Felsen sitzen, um den Sonnenuntergang zu sehen, und merken dann, dass der Weg zurück durch die Pinien pechschwarz ist. Such dir bei wenig Licht keine neuen Abkürzungen.
- Einrichtungen: Öffentliche Toiletten am Eingang Škaraba; die Strandbar an der Spitze gegenüber Sveta Andrija hat ebenfalls eine richtige. Die anderen Strandbars im Park (mindestens vier entlang der Küste) laufen mit Chemietoiletten. Dazu die Strandbar vom Hotel Lone und das Café am Parkeingang.
- Hunde: An der Leine im ganzen Park erlaubt. An der Küste gibt es mehrere ausgewiesene Hundestrände — achte auf die Schilder.
- Schuhe: Badeschuhe helfen beim Einstieg über die Felsen. Für die Wege reichen Turnschuhe.
- Zeit: Plan mindestens 2–3 Stunden ein; einen ganzen Tag, wenn du Rad fährst + schwimmst + picknickst.
Wenn du nur einen Vormittag in Rovinj hast und Natur lieber magst als Sehenswürdigkeiten, würden wir dich hierher schicken. Kombinier das Ganze mit einem Bad, einem Kaffee am Parkeingang und einem Rückweg durch die Altstadt zur goldenen Stunde — das ist ein schöner Tag.
Lust auf mehr Badeplätze? Schau dir unseren Guide von vor Ort zu den besten Stränden in Rovinj und das komplette Strandverzeichnis an.



