Jedes Jahr am 16. September feiert Rovinj den Festtag der Heiligen Euphemia, der Schutzpatronin der Stadt. Gleichzeitig ist Dan Grada – der Stadttag von Rovinj. Das heißt: Die kirchlichen Feiern sind in ein größeres Stadtfest eingebettet, das den ganzen Tag läuft. Das Programm fängt meistens schon um den 11. September an und endet am 16. mit dem Höhepunkt.
Die Tradition reicht über 1.200 Jahre zurück. Der Legende nach soll der Marmorsarkophag der Heiligen am 13. Juli 800 n. Chr. an der Küste von Rovinj angespült worden sein – Benussi hält das Datum in seiner Chronik von 1888 fest – nachdem er während eines Sturms auf rätselhafte Weise aus ihrer Kirche in Konstantinopel verschwunden war. Die Einheimischen erzählen, dass zwei Ochsen, geführt von einem jungen Mann, den schweren Sarkophag den Hügel hinauf zu der Kirche gezogen haben, die noch heute ihren Namen trägt. Die älteste schriftliche Fassung dieser Geschichte findet sich in einem Pergamentkodex aus dem 13. Jahrhundert – dem Translatio Corporis Sanctae Euphemiae – der im Kapitelarchiv von Rovinj aufbewahrt wird.
Wer die Heilige Euphemia war
Geboren Ende des 3. Jahrhunderts in Chalcedon (gegenüber vom heutigen Istanbul, auf der anderen Seite des Bosporus), Tochter einer patrizischen Familie. Während der diokletianischen Verfolgung wurde sie verhaftet, weil sie ihrem Glauben nicht abschwören wollte, und mit etwa 15 Jahren als Märtyrerin getötet. Die überlieferte Passio beschreibt eine ganze Reihe von Folterungen – das Rad, Feuer, Steine – bevor sie in der Arena den wilden Tieren vorgeworfen wurde; daran ist sie dann auch gestorben. In der Ikonografie wird sie mit Palme (Märtyrerin), Rad und Löwen dargestellt. Ihr Festtag ist der 16. September, der traditionelle Todestag (um 303–304 n. Chr.).
Später wurde über ihrem Grab in Chalcedon ein großes Martyrium errichtet; dort fand 451 n. Chr. das Ökumenische Konzil von Chalcedon statt, eines der prägenden Konzile des frühen Christentums. Ihr Sarkophag kam nach Konstantinopel, und von dort aus ist er – so erzählt man es in Rovinj – in einer stürmischen Nacht im Jahr 800 verschwunden und an der Küste von Rovinj gestrandet. Der Sarkophag selbst ist aus prokonnesischem Marmor, römische Arbeit aus den ersten Jahrhunderten n. Chr., ungefähr 2,08 m lang, 0,95 m breit, 1,96 m hoch. Er steht hinter dem Seitenaltar der ihr geweihten Kapelle, drinnen in der Kirche der Heiligen Euphemia.
In der lokalen Überlieferung heißt es, die Genuesen hätten die Reliquien während der langen venezianisch-genuesischen Kriege Ende des 14. Jahrhunderts geraubt, und Venedig habe sie dann irgendwann zurückgegeben – eine Episode, die in Rovinj seit Jahrhunderten weitererzählt wird, auch wenn die genauen Daten in den historischen Quellen umstritten sind.
Was an dem Tag passiert
Der Tag ist eine Sache – Patronatsfest und Stadttag verflochten. So sieht der 16. grob aus (Pfarrei und Tourismusverband veröffentlichen das genaue Programm kurz vorher):
- Der Sarkophag wird geöffnet, damit die Pilger vor den Reliquien beten können – das ist der Kern des Tages in Rovinj, und das schon seit über tausend Jahren.
- Vier Messen in der Kirche: eine ruhige Morgenmesse gegen 08:00 Uhr, eine Messe auf Italienisch um 09:00 Uhr (die Pfarrei ist zweisprachig), eine feierliche Messe um 11:00 Uhr unter dem Vorsitz des Bischofs mit dem Pfarrchor, und abends um 18:00 Uhr noch eine. Angemessen anziehen – Schultern und Knie bedeckt.
- Traditioneller Kunsthandwerksmarkt auf der Riva, etwa von 09:00 bis 21:00 Uhr: Stein, Holz, Stoff, kleine Erzeuger aus der ganzen Region.
- Essen am Veliki Mol, organisiert vom Ökomuseum Batana, meist zwischen 11:30 und 13:30 Uhr – die klassischen Gerichte des Festtags sind Lammfleisch mit Sauerkraut (ovčetina s kiselim zeljem) und Fritule.
- Musik auf den Plätzen – Mali Mol, Veliki Mol und dem Hauptplatz – nachmittags und abends.
- Abends wird die Kirchenfassade beleuchtet, mit Projektionen, die die Legende der Heiligen Euphemia erzählen – eine moderne Ergänzung, für die es sich lohnt, länger zu bleiben.
Für das offizielle Programm näher am Termin schau auf rovinj-rovigno.hr und rovinj-tourism.com.
Warum das zählt
Wenn du Rovinj so sehen willst, wie die Stadt wirklich ist – und nicht nur als Fotokulisse – dann ist der Tag der Heiligen Euphemia genau der richtige. Der religiöse Teil ist unaufgeregt und auf die Gemeinschaft ausgerichtet; er wird nicht für Touristen inszeniert, aber Touristen sind willkommen zuzuschauen und (wenn du an einer Messe teilnimmst) respektvoll mitzufeiern. Über 1.200 Jahre ununterbrochene Verehrung – das ist eine lange Zeit, um eine Tradition unversehrt zu bewahren.
Die Heilige selbst wacht immer noch von der Spitze des Glockenturms über die Stadt – eine 3,9 m hohe Kupferstatue, die 1758 von Vincenzo und Giovanni Battista Vallani aus Maniago, zwei Brüdern, in Form gehämmert wurde. Sie ist auf einem Zapfen montiert und dreht sich mit dem Wind – die Einheimischen lesen die Richtung als Wetterzeichen und schauen auch heute noch kurz hoch, bevor sie rausfahren aufs Wasser.
Ehrlich gesagt
Das ist ein eintägiges Ereignis – Stadtfest und religiöser Festtag zusammen – und kein mehrtägiges Festival. Die kirchlichen Kernmomente sind am Vormittag und frühen Nachmittag; der Kunsthandwerksmarkt, die Musik und die Projektionen am Abend gehen länger. Wenn du sowieso Mitte September da bist – das ist in Rovinj die beste Wetterzeit des Jahres – dann ist der 16. der Tag, an dem du in der Stadt sein solltest. Wenn deine Termine flexibel sind und dir die historische Seite von Rovinj wichtig ist, plane lieber um den 16. herum und nicht um das kommerzielle Eufemia Festival Anfang September.
Für eine ausführlichere Einordnung Monat für Monat schau in unseren Guide Beste Reisezeit für Rovinj.