Palud ist die einzige wirklich wilde Ecke der Küste rund um Rovinj — ein Brackwassersumpf, umgeben von altem Eichen- und Eschenwald, etwa 8 km südlich der Stadt. Nirgendwo sonst in der Gegend tauchen so viele Vögel auf. Es ist Istriens einziges ornithologisches Reservat, und du kannst den ganzen Bereich an einem Vormittag erwandern.

Was Palud eigentlich ist

Der Sumpf ist ein Zufallsprodukt der Geschichte. Im Jahr 1906 gruben österreichisch-ungarische Ingenieure von der Militärbasis bei Barbariga aus einen Kanal zum Meer — sie hofften, das Salzwasser würde die Malariamücken vernichten, die sich hier vermehrten. Das klappte nicht. Das Wasser wurde brackig, Karpfen und Aale siedelten sich an, und das entstandene Feuchtgebiet wurde zu einem Anziehungspunkt für Vögel. Gespeist durch Meerwasser aus dem Kanal und unterirdischen Spalten trocknet es nie ganz aus; je nach Niederschlag schwankt die Fläche zwischen etwa 2 und 20 Hektar.

Über 230 Vogelarten wurden hier nachgewiesen. Bei einem gewöhnlichen Spaziergang siehst du Graureiher, Seidenreiher, Stockenten, Blässhühner und Teichhühner — und wenn du Glück hast, am Beobachtungsstand auch den hochbeinigen Stelzenläufer. Schilf, Seggen und Rohrkolben säumen das Wasser; uralte Weiden lehnen sich über das nördliche Ende.

Das Palud-Sumpfgebiet — Istriens einziges ornithologisches Reservat — und die bewaldete Küste.
Das Palud-Sumpfgebiet — Istriens einziges ornithologisches Reservat — und die bewaldete Küste.

Vogelbeobachtung: Wann ist die beste Zeit?

Ein einfacher hölzerner Beobachtungsstand am südlichen Rand des Sumpfes lädt dazu ein, ruhig zu sitzen und zu beobachten. Daneben gibt es eine Wärterstation mit einer dauerhaften Fotoausstellung der Vögel, die du antreffen könntest. Der Zeitpunkt spielt eine echte Rolle:

  • Ende Februar bis April — Frühjahrszug, die belebteste und artenreichste Zeit
  • Mai bis Mitte Juli — Brutzeit
  • Hochsommer — Jungvögel und Watvögel auf der Durchreise (der Lieblingsmoment vieler Vogelbeobachter)
  • September bis Dezember — Herbstzug
  • Januar — Wintergäste

Komm in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang oder kurz vor der Dämmerung — zur Mittagszeit ist es still, heiß, und die Vögel verbergen sich. Nimm Fernglas, Wasser und Mückenspray mit (die Ironie des Ortes geht niemandem verloren).

Im Vordergrund das Sumpfgebiet Palud, dahinter die Bucht mit den Booten.
Im Vordergrund das Sumpfgebiet Palud, dahinter die Bucht mit den Booten.

Der Monbrodo-Rundweg — Vögel, eine Hügelburg und eine römische Zisterne

Wer mehr als den Beobachtungsstand möchte, findet hier einen 5,7 km langen Rundweg, der an einer römischen Zisterne (1.–2. Jahrhundert) nahe der Bucht von Bačvice beginnt und endet. Von dort führt der Weg hinauf zur Gradina Monbrodo, einer Hügelburg auf gerade einmal 31 m Höhe, die von der Bronzezeit (um 2000 v. Chr.) bis in die Römerzeit bewohnt war — am Westhang lassen sich noch die Trockensteinwälle erahnen. Nahe des Gipfels erinnert ein Steinmemorial vom 3. August 1947 an die einheimischen Partisanen des Zweiten Weltkriegs. Der Weg ist flach und unkompliziert, abgesehen vom kurzen Anstieg, und verbindet Vögel, Archäologie und Küste auf einem einzigen Spaziergang.

Anreise und praktische Hinweise

Palud liegt abseits der Straße Ž5096 zwischen Bale und Rovinj, erreichbar über einen Schotterweg nahe dem Weiler Španidiga — etwa 15 Fahrminuten südlich von Rovinj, oder eine schöne Strecke mit dem Fahrrad. Stand 2026 ist der Eintritt frei — es ist ein offenes Reservat, ohne Läden, Café oder Liegestühle, also bring alles mit, was du brauchst, und nimm deinen Müll wieder mit. Aktuelle Informationen zum Besuch gibt es beim Verwalter des Reservats: Natura Histrica.

Verbinde den Besuch mit einem Bad — der Strand von Palud liegt direkt neben dem Reservat — und die Gegend lässt sich gut mit einer Radtour entlang der Südküste oder einem Spaziergang durch den Waldpark Punta Corrente auf dem Rückweg verbinden.