Rovinj kannst du in 20 Minuten zu Fuß durchqueren – aber die Radwege, die von hier ausgehen, decken einen ordentlichen Teil Istriens ab. 22 offizielle Routen starten in Reichweite der Altstadt: von einer 9-km-Runde durch einen autofreien Waldpark bis hin zu einer 137-km-Rennrad-Tour, die hinauf nach Motovun führt. Hier erfährst du, wie du einen Radtag, eine Radwoche oder eine ganze Radreise von Rovinj aus planst.
Warum Rovinj eine gute Basis fürs Radfahren ist
Rund um die Stadt bleibt es flach: Meeresniveau entlang der Buchten, an den Landzungen nie mehr als 150 m. Fährst du allerdings nach Osten, geht's hinauf ins Landesinnere – Motovun liegt auf 277 m, Tinjan auf 360. Egal in welcher Form du bist, es gibt eine Route, die am Meer beginnt und genau dort endet, wo du umdrehen willst.
Fast alle Strecken starten innerhalb von 4 km um die Altstadt. Der häufigste Ausgangspunkt ist der Parkplatz Valdibora im Norden – flach, leicht zu finden, mit Café um die Ecke für den Kaffee danach. Wer im Resort wohnt, hat es noch einfacher: Amarin, Villas Rubin und Hotel Eden liegen direkt an ausgeschilderten Einstiegen und vermieten Räder an der Rezeption. Du rollst quasi vom Zimmer direkt auf den Schotter.
Das wichtigste neue Stück Infrastruktur ist die Štrika-Ferata, ein 20,5 km langer Rad- und Wanderweg auf der Trasse der alten Eisenbahnstrecke Kanfanar–Rovinj. Der letzte Zug fuhr im oktober 1966; 2021 wurde die Linie als Radweg wiedereröffnet, ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Rovinj und Kanfanar. Sie ist das Rückgrat zwischen Küste und Hinterland – flach, autofrei, und der einfachste Weg, mit Kindern aus der Stadt rauszukommen.
Wie die Routen nummeriert sind
Wenn du die Schilder oder die Karte auf istria-bike.com liest, sagt dir die Nummer auf einen Blick, was dich erwartet:
- 200er – MTB-Strecken auf Schotter
- 210er – Asphalt, also Rennrad
- 220er – kurze, einfache Familienrouten (gemischter Untergrund)
- 270er und 280er – thematische Langstrecken
- 275 – die Štrika-Ferata, ganz für sich allein
- 291 – die Kinderstrecke Kumbašeja
Bei einer 200er Nummer lass das Rennrad zu Hause. Bei einer 210er das MTB. Die 220er und die 275 funktionieren mit jedem Rad.
Such dir deine Art zu fahren aus
Flach, autofrei und voller Geschichte → die Štrika
Die 20,5 km der Štrika-Ferata von Valdibora nach Kanfanar sind die einfachste Radtour der Region. Es ist die alte Bahntrasse, also ist die Steigung aus Rovinj heraus so sanft, dass du sie kaum merkst – und zurück nach Rovinj erledigt die Schwerkraft den Großteil der Arbeit. Unterwegs kommst du an zwei Eisenbahnüberführungen vorbei (den tumbìni), am verlassenen Steinbruch Mondelàco, an der vorromanischen Kirche St. Thomas aus dem 8. Jahrhundert, am Aussichtspunkt über den Lim-Kanal – und endest in Kanfanar am noch betriebenen Bahnhof der Linie Pula–Divača. Wir gehen das Ganze in unserem Štrika-Ferata-Guide noch genauer durch.
Mit Kindern unterwegs → Waldpark Punta Corrente
Die wichtigste Tatsache für Familien, die in Rovinj radeln wollen: Der Waldpark Punta Corrente ist autofrei. Die 9,2 km lange Woodman's-Cottage-Runde (Route 221) schlängelt sich unter Pinien hindurch, vorbei an den Badebuchten von Zlatni Rt, mit einem Kaffeestopp im Lovor Lounge & Beach, wenn du es richtig timst. Hier bringen die Eltern aus Rovinj ihren Kindern das Radfahren bei. Der Kumbašeja Kids Trail (Route 291) ist nochmal kürzer, für die ganz Kleinen. Im selben Park versteckt sich übrigens auch Kroatiens größter Kletterfelsen – eine gute Option für den Ruhetag, wenn der Rest der Familie etwas anderes machen will.
Mountainbiken → die 200er ins Hinterland
Die MTB-Runden um Rovinj sind ein Netz von Schotterpisten, das bronzezeitliche Archäologie mit kleinen Feldkirchen und Olivenhainen verbindet. Die 39 km lange Limes 201 nimmt sieben kleine romanische Kirchen mit – und den Tumulus von Maklavun, möglicherweise das älteste Sonnenobservatorium auf kroatischem Boden. Die 26 km lange Vistrum 203 ist die einfachste der drei (nur 200 Höhenmeter) und führt an der bronzezeitlichen Festung Monkodonja vorbei. Die 27 km lange Rubinum 202 umfasst den Aussichtspunkt am Lim-Kanal und die alte Eisenbahnbrücke. Alle drei behandeln wir ausführlich in unserem Guide Mountainbiken rund um Rovinj.
Rennrad und Tagestouren → Bale, Dvigrad, Motovun
Drei Runden auf wenig befahrenem Asphalt decken Istrien Stück für Stück ab. Das Rovinj-Trokut 213 sind 38 km über das mittelalterliche Bale – machbar an einem halben Tag, perfekt mit einem ausgiebigen Mittagessen auf der Piazza vor dem Soardo-Bembo-Palast. Die Razglednica 212 ist 63 km lang und nimmt die Geisterstadt Dvigrad und den Lim-Kanal mit. Die Königsetappe ist die Sjever-Sjeverozapad 211: 137 km, 1.630 Höhenmeter, inklusive der berühmten Rampe hinauf nach Motovun. Trüffel-Land, zwei lange Anstiege, vier bis fünf Stunden im Sattel für trainierte Radfahrer. Der Tag, der die Reise prägt, wenn du fürs Rad gekommen bist. Mehr dazu in unserem Guide Tagestouren ab Rovinj.
Welches Rad du mitbringst (oder mietest)
Die Routennummer ist dein Spickzettel. Nochmal kurz:
- 200er (MTB): Hardtail oder Trekkingrad. Ein E-MTB nimmt den Steilrampen der Limes die Schärfe (St. Martin: 0,4 km mit 20,8%). Mit dem Rennrad: vergiss es.
- 210er (Rennrad): jedes Rennrad oder Hybrid. 25–28c-Reifen kommen mit istrischem Asphalt gut zurecht. Nimm einen Ersatzschlauch mit – auf der 211 gibt es lange unbewohnte Abschnitte.
- 220er und 275 (Familie + Štrika): jedes Rad, auch Kinderräder, E-Bikes und Anhänger.
Mieten in Rovinj
Eine Handvoll unabhängiger Shops in der Stadt vermietet alles vom Cityrad bis zum Fully-MTB und Rennrad. Die meisten findest du rund um den Trg na Lokvi, fünf Gehminuten vom Busbahnhof und Hafen entfernt. Gäste der Maistra-Resorts (Amarin, Villas Rubin, Eden) können an der Rezeption mieten – allerdings besteht die Resort-Flotte überwiegend aus Hybrids. Für die 220er und die Štrika reicht das, für die 211-Königsetappe wird's grenzwertig.
Wenn du die 211 fahren willst: buch ein richtiges Rennrad eine Woche im Voraus. Carbon-Rennräder sind in Rovinj rar, und im mai und september sind sie schnell weg.
Mehrere Verleiher bieten auch Radlertransfers, Gepäcktransport und geführte Touren – praktisch, wenn du die Štrika nur in eine Richtung fahren und zurückgeshuttelt werden willst, oder wenn ihr als Gruppe mit unterschiedlichem Niveau unterwegs seid.
Wann du kommen solltest
Die besten Fenster sind mai bis Mitte juni und Mitte september bis oktober. Milde Temperaturen (20–26 °C), wenig Verkehr auf den Straßen, trockener und griffiger Schotter. Der oktober überschneidet sich mit der weißen Trüffelsaison – ein ziemlich guter Grund, die 211 zu fahren.
Juli und August sind fahrbar, aber heiß. Die Schotterstrecken bleiben unter dem Blätterdach kühl; die Asphaltrunden sind exponiert und voll. Wenn du im Sommer fahren musst: starte vor 7 Uhr morgens. Es ist noch kühl, das Licht ist golden, und der meiste Autoverkehr schläft noch. Das ganze Bild liefert unser Wetter-Guide Monat für Monat.
Wo du übernachten solltest
Such dir was mit sicherer Radabstellmöglichkeit über Nacht und einem Frühstück, das früh genug öffnet für einen 7-Uhr-Start. Die Maistra-Resorts an der Bucht (Amarin, Villas Rubin, Eden) sind von Haus aus radfahrerfreundlich – sie liegen direkt an den Strecken und vermieten vor Ort. In der Altstadt haben die kleineren Boutique-Hotels meist auf Anfrage einen Abstellraum; frag das vor der Buchung ab.
Drei Tage reichen, um ins Streckennetz reinzuschnuppern: einmal kurz durch Punta Corrente, einmal Štrika hin und zurück, und eine Asphaltrunde nach Bale oder Motovun. Mit fünf Tagen schaffst du alles ohne Hetze – und hast einen radfreien Tag übrig für einen Bootsausflug oder eine Tour ins Inland, dorthin, wo dein Rad nicht hinkommt. Rovinj wartet hinterher noch fürs Bad im Meer.





