Istrien hat eine ganz eigene Küche, die wenig mit dem Rest Kroatiens zu tun hat. Auf dem Teller ist sie eher Italien als dem Balkan verwandt — handgemachte Pasta, wilde Kräuter, großzügig gutes Olivenöl und eine Tradition der Räucherwaren, die älter ist als jedes Restaurant in der Stadt. Hier erfährst du, was du in Rovinj bestellen solltest und wann sich welches Gericht wirklich lohnt. Wo genau du essen kannst, zeigt dir unser Überblick: Restaurants in Rovinj.

Zuerst die Pasta: fuži und pljukanci
Fuži ist die Pasta, die dir überall begegnet — kleine, diagonal geschnittene Teigrollen, die um einen Stab gewickelt werden, je etwa 4 cm lang. Pljukanci sind die andere Variante: kurze, von Hand gedrehte Teigspiralchen, an beiden Enden spitz zulaufend. Beides war früher Armenessen, gestreckt aus Mehl und ein paar Eiern — und beides lebt heute dafür, eine Sauce aufzunehmen, die die Einheimischen šug nennen.

Die klassischen Kombinationen sind Wildfleisch (šug od divljači — Wildschwein oder Hirsch, langsam geschmort), boškarin-Ochse oder ein Löffel frisch gehobelter Trüffel. Im Frühling kommen sie auch mit wildem Spargel auf den Tisch. Bestell fuži mit Wildsauce an einem kühlen Herbstabend in einer richtigen konoba — danach wirst du verstehen, warum hier niemand auf Trockenware zurückgreift.
Maneštra — die Suppe, die jede Nonna kocht
Maneštra ist das alltägliche Gericht: ein dicker Eintopf aus Bohnen und Gemüse, irgendwo zwischen Suppe und vollständigem Abendessen. Die Grundlage ist pešt — eine gestampfte Paste aus getrocknetem Bauchspeck, Knoblauch und Petersilie, die als erstes in den Topf kommt. Was dann dazukommt, richtet sich nach der Jahreszeit, und der Name wechselt entsprechend.
Maneštra od bobići wird mit frischem Mais (bobići im Dialekt) gemacht und ist ein Gericht des Spätsommers. Jota kommt mit Sauerkraut und Bohnen in den kalten Monaten; es gibt auch eine Variante mit Gerste und eine mit Sauerrüben. Das Gericht ist günstig, sättigend und der ehrlichste Test für die Küche einer konoba — eine gute Maneštra lässt sich nicht vortäuschen. Bestell sie ruhig auch im Juli: die Maivariante ist an einem warmen Abend durchaus einen Versuch wert.
Fritaja mit wildem Spargel — nur im Frühling
Fritaja ist die istrische Version einer Frittata, und etwa acht Wochen im Jahr — grob von Mitte März bis Mitte Mai — kommt sie grün auf den Tisch, gefüllt mit wildem Spargel (šparoge). Das sind keine dicken Stangen aus dem Supermarkt: sie sind dünn, dunkel und angenehm bitter, gesammelt aus Hecken und Wegrändern überall auf der Halbinsel. Im April ziehen ganze Familien mit Taschen los.

Eier, Olivenöl, eine Handvoll gehackter Spargel — mehr braucht es nicht. Zu anderen Jahreszeiten kommen Trüffel oder Waldpilze in dieselbe Pfanne. Wenn du im Frühling hier bist, ist das das saisonale Gericht, dem du nachgehen solltest — die Saison ist kurz, also nicht zu lange warten. Unser Monatsüberblick zeigt dir, was wann auf dem Teller landet.
Boškarin und der Fleischgang
Boškarin ist der istrische Ochse — eine helle, langhörnige Rasse, die fast ausgestorben wäre, als Traktoren sie von den Feldern verdrängten, und die von einigen wenigen Landwirten wieder zurückgebracht wurde. Du findest ihn als Carpaccio, als langsam geschmortes Gulasch auf fuži oder als Eintopf. Das Fleisch ist mager, dunkel und den höheren Preis wert.
Das andere Fleischgericht ist ombolo: Schweinelende, gesalzen und luftgetrocknet, meist mit Sauerkraut und hausgemachten Würsten serviert. Das ist die Art Teller, die in einer ländlichen konoba ohne großes Aufsehen aufgetischt wird — und schnell leer ist.
Pršut, Käse und das Brett mit Wurstwaren
Fast jede Mahlzeit beginnt hier mit einem pjat — einem Brett mit Wurstwaren und Käse. Im Mittelpunkt steht istrischer pršut, der anders hergestellt wird als die geräucherten Schinken weiter im Landesinneren: er wird gesalzen, gepresst und dann ein Jahr oder länger in der Bora (dem trockenen Nordostwind) luftgetrocknet, ganz ohne Rauch. Das Ergebnis ist klarer im Geschmack und salziger — man schmeckt die Meeresluft und das mediterrane Unterholz.

Dazu kommt harter istrischer Käse, meist aus Kuh- oder Schafsmilch, manchmal in Olivenöl oder unter Asche gereift. Ein paar Oliven und eine Scheibe Brot dazu — schon hat man ein vollständiges Mittagessen, bevor man überhaupt in die Karte geschaut hat.
Meeresfrüchte und die Muscheln aus der Limski-Bucht
Rovinj ist eine Fischerstadt, also sind Meeresfrüchte die sichere Wahl. Bestell škampi na buzaru — Scampi in Weißwein, Knoblauch, Olivenöl und Semmelbröseln, gegessen mit den Händen und viel Brot für die Sauce. Brodet ist der Fischereintopf: verschiedene Fische, langsam eingekocht und auf weicher polenta serviert. Crni rižot, das schwarze Tintenfisch-Risotto, färbt alles an, was es berührt — und ist es trotzdem wert.

Der lokale Geheimtipp ist die Limski-Bucht: der lange, geschützte Kanal nördlich der Stadt züchtet einige der besten Austern und Muscheln dieser Küste — direkt aus dem Wasser gezogen und mit nichts als einem Spritzer Zitrone serviert. Du kannst sie am Kanal selbst auf einer Bootstour essen oder mit dem Auto hinfahren — sieh dir unsere Ausflüge von Rovinj an. Für Fisch in der Stadt sind die Tische an der Uferpromenade in Restaurants wie La Puntulina und Maestral die richtigen. Eine Regel gilt immer: frag nach dem Tagesfang — der frischeste Fisch wird nach Kilo berechnet und steht selten auf der Karte.
Trüffel
Istrien gehört zu den bedeutendsten Trüffelgebieten Europas, und Rovinj liegt nah genug, um davon zu profitieren. Der begehrte weiße Trüffel (tuber magnatum) kommt aus den Eichenwäldern rund um das Mirna-Tal und Motovun, grob von Oktober bis Dezember, und er ist seinen Preis wert — roh über warme fuži, eine fritaja oder ein schlichtes Eiergericht gehobelt, braucht er nichts weiter. Der schwarze Sommertrüffel ist günstiger, leichter verfügbar und das ganze Jahr über zu haben.

Das ist hier kein touristischer Gag — der Trüffel in deiner Pasta wurde höchstwahrscheinlich in der gleichen Woche eine Stunde landeinwärts gegraben. Die Degustationsmenüs bei Monte und Agli Amici bauen ganze Gänge darum auf, und eine Trüffelsuche im Wald ist ein lohnender Ausflug aus der Stadt.
Olivenöl und Wein
Lass es dir nicht entgehen, das Olivenöl zu kosten. Den größten Teil des letzten Jahrzehnts hat der Flos Olei-Guide Istrien zu den besten Olivenölregionen der Welt gezählt, und das wirklich gute Öl — grasig, pfeffrig, abgefüllt von der Familie, die es gepresst hat — wird direkt von Höfen im ganzen Land verkauft. Es ist das praktischste kulinarische Mitbringsel, das man nach Hause tragen kann.

Beim Wein reichen zwei Namen: Malvazija, der frische, leicht blumige Weißwein, der zu allem auf dieser Liste passt, und Teran, ein dunkler, herber Rotwein, gemacht für das Fleisch. Bestell ein Glas lokale Malvazija zum Meeresfrüchtegericht und du bestellst wie ein Einheimischer. Wer es süß mag, sollte zum Abschluss nach Muškat aus Momjan fragen.
Etwas Süßes
Istrische Desserts sind einfach und meist frittiert. Fritule sind kleine Teigbällchen mit Rosinen und Puderzucker, überall zu Weihnachten und an Karneval. Kroštule sind knusprige, frittierte Teigbänder. Cukerančići sind harte Ringkekse, gemacht zum Eintunken in süßen Wein. Nichts davon ist aufwendig — und das ist genau der Sinn dahinter.
Was wann auf den Tisch kommt — und ein paar Tipps
- Frühling (März–Mai): wilder Spargel in allem — fritaja, fuži, Risotto.
- Spätsommer: maneštra od bobići mit frischem Mais; Feigen; Meeresfrüchte auf dem Höhepunkt.
- Herbst (Okt.–Dez.): Saison des weißen Trüffels und Wildsaucen — die besten Essensmonate des Jahres.
- Ganzjährig: Austern aus der Limski-Bucht, pršut, buzara, schwarzer Trüffel.
- Im Sommer vorher reservieren: die guten Tische sind im Juli und August schon um 19 Uhr voll. Hier findest du alle Restaurants in Rovinj und unsere ehrlichen Empfehlungen.
- Etwas Bargeld mitnehmen: die besten ländlichen konobas arbeiten bevorzugt mit Barzahlung, auch wenn die gehobenen Restaurants in der Stadt Karten akzeptieren.

Wer so isst, erlebt Rovinj nicht mehr nur als etwas, das man anschaut, sondern als etwas, das man schmeckt — Pasta vom Stock, luftgetrockneter Schinken, Austern aus dem Kanal und ein Öl, das dir das Supermarktöl für immer verleidet.
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